Spezifische Ängste bei Borderlinepersönlichkeiten

 

"Betroffene leiden allgemein unter stark ausgeprägten Ängsten, die sich auf jeden Inhalt beziehen können. Die Ängste sind nicht immer durchgängig vorhanden. Und es gibt verschiedenste Arten dieser Gefühle. Es können generalisierte Ängste sein, aber auch isolierte Angstanfälle (Panikattacken) sowie diverse phobische Störungen. Doch bestimmte Arten von Ängsten treten besonders häufig und intensiv auf und sind damit spezifisch für die BPS.

Meine individuelle Angst

Jede Borderline-Persönlichkeit hat sicherlich ganz individuell unterschiedliche Schwerpunkte was die Ängste betreffen. Meine größte Angst ist wohl die Angst vor dem Verlassenwerden. Betrachtet man meine Lebensgeschichte nur sehr oberflächlich wundert einen das vielleicht. Meine Eltern haben sich nicht getrennt und auch ist keine nahe Bezugsperson in meiner Kindheit gestorben. Es hat mich also rein äußerlich niemand verlassen. Und doch ist sie da, diese Angst...permanent und ziemlich massiv. Mit meiner Bezugsschwester habe ich sehr oft über diese Angst gesprochen. Sicherlich auch deswegen, weil die Angst gerade jemanden zu verlieren nochmal besonders hoch ist. Sie hat zu mir gesagt, dass ich in meiner Kindheit sehr wohl von meiner Mutter verlassen worden bin. Denn wo war sie, als mein Vater.....? Sie war im Haus, sie hat es mitbekommen und sie hat mich dann verlassen, indem sie zum Einem bewusst weggefahren ist und zum Anderem mein Leid völlig übergangen hat. Sie ist zum Alkohol gegangen, nicht zu mir. Und der Alkohol hat sie noch weiter weg gebracht. Sie war unerreichbar und ich habe stumme Schreie losgeschickt, ohne erhört worden zu sein. Ist meine Bezugsschwester oder auch meine Therapeutin mal im Urlaub, oder gar krank, befürchte ich immer sie kommt nicht wieder. Denn wahrscheinlich bin ich so schrecklich, dass man mich nicht mehr erträgt und mich verlassen muss. Ich halte mich, ist einer von beiden mal länger weg, immer an irgendwelchen Dingen fest. Vielleicht hat mir der andere was da gelassen, was ihm sehr viel bedeutet. Oder ich habe zum "Abschied" einen lieben Satz bekommen - am besten schriftlich, damit ich immer wieder hinschauen kann. Ich kann auch stundenlang ein Foto betrachten und mir die Frage stellen, ob sie wiederkommt - dabei gehe ich in Gedanken besonders die "letzten Sätze" nocheinmal durch. Diese Angst ist einfach so gruselig und in der Tat existenziell bedrohend für mich.

Die Angst vor dem Verlassen werden ist nicht die Einzige - ich habe Angst vor einem völligen Kontrollverlust der mich anschließend auch angreifbar machen würde (für mich bestimmt der Hauptgrund, normalerweise auch keinen Vollrausch zu bekommen) und ich habe auch diese paradoxe Angst vor Nähe (paradox weil ich ja diese saublöde Verlassenheitsangst habe). ...