Der Notfallkoffer

 

Um dem selbstschädigendem Verhalten - das ja leider oft typisch bei Borderliner ist - entgegen zu wirken, kann man sich einen sogenannten Notfallkoffer "packen"

 

Was kann man in den Koffer tun?

 

Hilfreich sind dabei Reize, die die verschiedenen Sinne ansprechen.

Geschmackssinn
Geruchssinn
Tastsinn
Gehör
Sehen
Chilischoten Pfefferminzduft Eiswürfel laute Musik schöne Bilder
Vitamin- oder Brausetabl. Ammoniak Coolpack rhythmische Musik
frischer Meerettich Parfümproben wärmeres Duschen Mp3 Player mitnehmen
Bonbons (scharf) Wärmflasche Kinder-CD
Ahoi-Brause verschiedene Steine
scharfe Saucen Bürste (rauh, glatt, weich)
Kaugummi Kieselsteine in den Schuh tun
Igelball, Wutball, Stoffball
Knetgummi
Kiefernzapfen
Wäscheklammer
Handgelenkgummis zu schnalzen

 

Hilfreich, für den Notfallkoffer sind auch Dinge zum Festhalten

Da in akuten Notsituationen der Kopf oft ausgeschaltet ist, ist es deshalb auch sinnvoll, nicht nur Dinge die den Verstand ansprechen, sondern auch reale Gegenstände zum Festhalten, die einen ein Stück Regression erlauben. Das kann beispielsweise ein weiches Kissen sein, eine kleine Wolldecke, ein kuschliger Pulli von jemanden den man sehr gerne hat, ein Plüschtier das man mit einem lieben Menschen verbindet, eine Nuckelflasche oder vielleicht einfach auch nur eine warme Socke sein. Manche Dinge zum Festhalten können so klein sein, dass sie bequem in jede Hosentasche passen und so ein ständiger Begleiter sein können. Das könnte eine Kastanie sein, die man gefunden hat und als Handschmeichler dient. Eine Kette, ein Würfel, ein Stein - vielleicht geschenkt von jemanden oder im Urlaub gefunden.

 

Hilfreich, für den Notfallkoffer sind auch Dinge zur Ablenkung oder Beruhigung

Ein großes Problem der Borderliner ist die innere Leere. Deshalb ist es wichtig, in Akutsituationen auch die immer größer werdende Leere anzusprechen. Oft können das Dinge sein, die Aktivität fordern. Ein Tagebuch, Mandalas die man ausmalen kann, ein Kartenspiel, ein gutes Buch, Fotos oder Karten von wichtigen Personen.

In einer Gruppe für Borderliner hat die Therapeutin mit uns "Hirn-Flickflacks" trainiert. Das waren kognitive Aufgaben, die eine gewisse Konzentration erfordern und somit vom eigentlichen Problem ablenken. Wir haben Rechenaufgaben gemacht (100-5-8-5-8 usw.), haben die Deckenplatten gezählt, haben Dinge im Raum aufgezählt, haben 10 Dinge gesucht die man hören kann, haben das Spiel "Kofferpacken" geübt, haben Doppelwörter gebildet (Schneeball, Balljungen, Jungenklasse). Wir planen, uns Karteikarten zu beschriften, mit Dingen die wir lernen wollen. Vokabeln, Straßennamen im dazugehörigen Ortsteil von Regensburg (phuuuuu, is nämlich gar nicht so einfach...ich bin froh, wenn ich die großen gelben Straßen endlich mal lernen kann)

Von der Therapeutin in der Borderlinegruppe wurde uns auch folgendes Bild regelmäßig "eingetrichtert" (naja gut, nicht so mit Gewalt, aber schon oft):

 

Dieses Bild soll ausdrücken, dass alle 5 Dinge (Verhalten, Gefühle, Gedanken, Körper, Umwelt) sich gegenseitig positiv, wie auch negativ beeinflussen. Hat man zum Beispiel Angst=Gefühl (angenommen in der Nacht), reagieren auch die Gedanken ("hoffentlich kommt keiner"), das Verhalten (Zimmer zusperren) miteinander. Aber auch der Körper reagiert darauf, indem man Herzklopfen bekommen und die Umwelt reagiert (indem Fall vielleicht mit Rückzug, weil sie damit schlecht umgehen können). Das selbe Prinzip funktioniert auch in positiver Weise. Hat man es nach langer Zeit geschafft, endlich seine Wohnung aufzuräumen, ist man erleichtert und freut sich (Gefühle) und denkt, "nächstes Mal mach' ich's früher" (Gedanken). Der Körper ist erschöpft und entwickelt Glückshormone und die Umwelt geht leichter auf einen zu (da man ja was positives ausstrahlt).

Man kann aber auch eine Kerze, eine Duftlampe, einen Tee usw. in den "Notfallkoffer" (oder Säckchen??) tun.

 

Im äußersten NOTFALL

Im außersten Notfall sollte man eine bestimmte Notfallmedikation dabei haben. (Aber es ist NICHT sinnvoll 100 Beruhigungstabletten drin zu haben, oder Rasierklingen). Auch eine Telefonliste mit den "Notfallnummern" kann wichtig sein. Im Borderlineselbsthilfebuch (siehe unten) findet man auch einen sogennaten Krisenpass

(Quelle: Knuf Andreas, Tilly Christiane, Borderline: Das Selbsthilfebuch, Psychiatrieverlag, Bonn 2004.)