Welche Trauma's gibt es?

 

Laut Cornelia Dehner-Rau und Luise Reddemann, eine der Pionierinnen der Traumatherapie in Deutschland, teilt man die Traumatas in drei verschiedene Kategorien ein. Es gibt die "Man-made-Traumata", das sind Traumata die Menschen anderen Menschen zufügen. Als zweite Kategorie bezeichnet man die etwas seltener vorkommenden "Naturkatastrophen oder schwere Schicksalsschläge" (z.B.: schwere Erkrankungen). Der dritte Kategorie gehören "kollektive Traumatisierungen " an, die wir uns als Menschen gegenseitig zufügen, die aber in einem größeren, also nicht individuellen Kontext geschehen, die allen widerfahren, wie z.B. Kriege. Am schlimmsten wirken sich die "Man-made-Traumata" aus, denn es ist schrecklich, wenn andere, denen wir eigentlich vertraut haben, uns schaden, verletzen oder verraten. Erlebt der Mensch eine Verletzung durch die Natur, fühlt man sich nicht persönlich verraten, da wir doch innerlich wissen, dass solche Dinge geschehen können. Machen wir "kollektive traumatische Erfahrungen", können wir uns zumindest damit trösten, dass alle das gleiche Schicksal trifft.

Die Einteilung ist nur sehr grob, es gibt immer wieder Überschneidungen und Situationen die nicht eindeutig zuordbar sind. (Menschen, die infolge des Krieges vergewaltigt werden)

 

Wichtig ist auch der kulturelle Hintergrund. Hier kann man am Beispiel der Demütigung sehen, wie unterschiedlich stark sie von verschiedenen Kulturen wahrgenommen wird. Wird ein deutscher Mann gezwungen sich vor einer Frau zu entkleiden, ist das weniger demütigend, wie wenn ein arabischer Mann dazu gezwungen wird.

Der soziale Kontext ist wichtig, wie ein Trauma verarbeitet wird. Jeder Mensch lebt in einem sozialem Kontext, die Familie, Freunde oder die Gesellschaft. Ist es an der Tagesordnung, dass einem Kind sexuelle Gewalt geschieht und muss es dauernd damit rechnen oder erfährt das Kind von seinem nahem Umfeld Unterstützung und Hilfe?

Definition: "Trauma heißt Verletzung. Dies kann sowohl körperlich als auch seelisch sein. Definitionsgemäß erfüllt ein traumatisches Ereignis folgende Kriterien: Die Person war selbst Opfer oder Zeuge eines Ereignisses, bei dem das eigene Leben oder das Leben anderer Personen bedroht war oder eine ernste Verletzung zur Folge hatte. Die Reaktion des Betroffenen beinhaltet Gefühle von intensiver Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen."

(Quelle: Reddeman Luise, Dehner-Rau Cornelia, Trauma. Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen.Stuttgart 2004, Seite 18)

 

 

Welche Traumata's gibt es?

  • Krieg
  • Vertreibung
  • Folter
  • Naturkatastrophen
  • Traumata durch (notwendige) medizinische Eingriffe
  • traumatisches Geburtserleben
  • Unfälle (Arbeitsplatz, Verkehr)
  • Verlust, besonders wenn er plötzlich und unerwartet eintritt, speziell im Kindesalter. (z.B. Tod eines Elternteils)
  • körperliche, psychische und emotionale Gewalt, v.a. in der Kindheit
  • Gewalt allgemein
  • sexualisierte Gewalt
  • Zeuge sein von Gewalt
  • Miterleben von traumatischen Ereignissen. (krebskrankens Kind haben)
  • Konfrontation von den Folgen eines Traumas als Helfer (z.B. Rettungskräfte) => wird auch als sekundäre Traumatisierung bezeichnet.
  • Das Erleben eines Kindes mit traumatisierten Eltern (z.B. Holocaustopfer) => wird ebenfalls als sekundäre Traumatisierung bezeichnet, oder auch als "Second-Generation-Phänomenen"

 

(Quelle: Reddeman Luise, Dehner-Rau Cornelia, Trauma. Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen.Stuttgart 2004, Seite 14-20)