Umgang mit einem Trauma

Für die Auswirkung und Umgang und mit traumatischer Erfahrungen spielen folgende Faktoren eine wesentliche Rolle:

Heute unterscheidet man zwischen zwei Faktoren. Es gibt den Faktor, der durch das Ereignis gegeben ist, und den subjektiven Faktor, der sich aus den Widerstandskräften des Individuums ergibt, dem das Trauma widerfahren ist. So ist die Rolle der Bindung an die Eltern ein Hauptfaktor der den späteren Umgang mit dem Traumata beeinflußt. Ein kleines Kind wendet sich in einer traumtischen Situation an die ihm vertraute Person (z.B. Mutter), zu der es ja eine ganz besondere Bindung hat. Erfährt das Kind Unterstützung von dieser Seite, so verarbeitet es normalerweise auch das traumatische Ereignis wesentlich besser, als wenn ein Kind mit solch einer Erfahrung allein gelassen wird.

 

Häufigkeit

Forscher haben weltweit herausgefunden, dass bis zu 75 % der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens eine traumatische Erfahrung machen. Bis zu 25% der Betroffenen entwickeln anschließend eine Traumafolgeerkrankung. Oft kommt es auch vor, dass man die Folgen der Traumatisierung verdrängt und dann viel später im Leben, wenn neue Belastungen auftreten deutlich wird, dass die traumatischen Ereignisse doch nicht verarbeitet wurden . Zurzeit kann man in Deutschland beobachten, dass viele Ältere, die den letzten Weltkrieg miterlebt haben, erst jetzt unter den Folgen zu leiden scheinen, während es ihnen jahrzehntelang gut ging. (z.B. reagieren Kriegskinder, die jetzt im Seniorenalter sind, auf den Amoklauf in Erfurt mit massiven Ängsten im Sinne einer Retraumatisierung, obwohl sie nicht direkt betroffen waren)

Es scheint, dass einige Wochen bis Monate nach der traumatischen Erfahrung viele Menschen als geheilt erscheinen. Zählt man alles zusammen so erholt sich etwa ein Drittel aller Betroffenen. (Diese Zahl ist allerdings etwas verwirrend, da sie dadurch zustande kommt, dass alles "in einem Topf geworfen wird". Von Vergewaltigungen zum Beispiel erholt sich höchstens ein Viertel und von Folter erholt sich fast niemand von allein.) Ein weiteres Drittel der Betroffenen kommen anscheinend gut im Leben zurecht, bis sie erneut eine belastende Situation erleben und ab da Symptome zeigen wie das letzte Drittel der Menschen, die von Anfang an nicht mit dem Trauma fertig geworden sind.

(Quelle: Reddeman Luise, Dehner-Rau Cornelia, Trauma. Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Stuttgart 2004, Seite 19-27)