Das bin ich, Windblume das schwarze Schaf,

das schwarze Schaf der Familie....jawohl schwarz und das zum Glück, denn wenn ich mich bei den weißen Mitgliedern meiner Spezies umschaue dann kommt einem gleich das Fürchten.

Und so bin ich schwarz geworden und kämpfe ich mich als schwarzes Schaf durchs Leben.....einem Leben in einer Stadt im Süden Deutschlands, aber immerhin der nördlichsten Stadt Italiens, direkt an der nicht mehr so blauen Donau. Mittlerweile habe ich schon einige Jährchen auf dem flauschigen Schafsrücken....trotzdem fühle ich mich immer noch wie ein pubertierender Jugendlicher....aber vielleicht werden schwarze Schafe ja nicht älter...

Meinen Wuschel am Kopf habe ich immer wieder mal anders gefärbt, denn schwarze Schafe müssen ja rebellieren. Mein Leben war nie wirklich leicht, es sind viele dunkle Tage in meinem Lebenslauf...schon von den ersten Lebenstagen an. Ich habe jahrelange Psychiatrieerfahrung - offene und geschlossene Station. So relativ am Anfang meiner Therapiekarriere war ich auch drei mal in einer psychosomatischen Klinik. Für manche in spirituellen Krisen, oder nicht so heftig "krank" sicher der richtige Weg, für mich aber nicht gehbar. Ich bin mit der Nähe dort, dem Kuscheln und so gar nicht zurecht gekommen. Tja, und beim Bonding standen mir alle Schafshaare zu Berge. Bonding ist eine Therapieform aus Amerika von einem Psychiater Casriell erfunden, bei dem sich immer Paare bilden und jene sich Bauch an Bauch aufeinander legen. uäääää....eigentlich völlig kontraindiziert bei Borderliner. Nachdem ich dann irgendwann wieder in der Psychiatrie gelandet bin, habe ich mich entschlossen, nicht alles können zu müssen.....und das heißt, ich muss nicht nackt baden gehen können....oder ähnliches, bei dem Gedanken allein daran wird mein schwarzes Fell noch krauseliger als es eh schon ist. Eingelaufen bin ich in der Psychiatrie erst mal in die geschlossene Station........weiter ging's dann auf eine offene Frauenstation....in der Zeit hab ich mich noch nicht so recht anfreunden können mit den ganzen Therapien und ich hab dann oft einfach eine Überdosis geschluckt um auf irgendeiner Intensiv zu landen.....anschließend ging's kurz auf die Geschlossene und das Spielchen begann von vorne....Mhhhh, nachdem ich meiner damaligen Ärztin jeglichen Nerv geraubt habe, bin ich auf der, lassen wir es freundlich ausdrücken, beschützenden Allgemeinstation gelandet. Dort habe ich über zwei Jahre in einem sogenanntem Ü-Zimmer verbracht, einem Raum den man nicht verlassen durfte - zum Duschen, natürlich unter Aufsicht, ging's in angrenzende Bad. Allein die vielen Medikamente haben es geschafft, dass die Zeit irgendwie vorbei ging. Tja, im wahrsten Sinne aufwärts ging es dann, als ich einen Stock höher auf die offene Therapiestation kam. Dort hat meine Ärztin und Therapeutin angefangen so richtig Therapie mit mir zu machen - sie ist das Beste was mir passieren konnte - ich schätze ihre unheimliche Kompetenz, aber auch als Mensch ist sie einfach unheimlich liebenswert. Sie ist die erste Person, bei der ich NEIN sagen konnte und ich vertraue ihr so, dass ich mit jedem kleinem Bisserl zu ihr gehe. Ich weiß, dass ich ohne sie nicht mehr leben würde. Das soll jetzt nicht pathetisch klingen, es ist einfach die Wahrheit.

Es gibt in meinem Leben Menschen, die mir sehr wichtig geworden sind. Das ist natürlich meine Therapeutin, der ich mein neues Leben auf das ich mich freuen kann zu verdanken habe. Danke Fr. R.!!!! Sie wissen glaube ich, was Sie mir bedeuten!!! Oder? Danke für die viele Zeit, die Sie mir schenken - Danke für das unglaubliche Verständnis, denn ich weiß, dass ich nicht immer einfach bin (praktisch nie).

Und es ist auch meine Betreuerin, die mich immer wieder unterstützt und mehr macht, als sie eigentlich machen müsste. In den Urlaubszeiten von meiner Therapeutin ist sie zum Beispiel immer zur Stelle und wir haben intensiveren Kontakt. Einmal die Woche ruft sich mich mindestens an, und alle zwei Wochen besucht sie mich im Krankenhaus.! Sie ist nicht nur beruflich fit, sondern ich mag sie auch als Mensch. Danke Fr. B.!! Auch Freunde sind mir wichtig, ich habe zwei Schulfreundinnen, die mich durch all die Krisen konstant begleiten und mich nicht aufgeben. Danke ihr zwei!! Es ist schön zu wissen, dass ich mich auf auch verlassen kann. Ihr habt mich seit über 23 Jahren ausgehalten und ich war sicherlich oft ziemlich schwierig. Bin es wohl heute auch noch. Danke auch an Keks, die mit mir das Forum gestaltet und als Patientin meine Freundin wurde. Einen lieben Dank an A., die mir sehr ans Herz gewachsen ist und wir immer wieder feststellen, wie ähnlich wir uns doch sind. A. ist wie ich auch Borderlinerin. Einen Dank bekommt auch S. vom SpDi für ihre Begleitung, die nun auch schon Jahre anhält und ich mich momentan immer auf ein Frühstück mit ihr freue, bei dem wir sehr unterhaltsame und lustige Gespräche führen können. Last but not least verdient mein ehemaliger Deutschlehrer ein dickes Dankeschön für den aufmunternden Briefkontakt und die "Versorgung" mit Lernmaterial (momentan grad Italienisch) und anderen, liebevollen Kleinigkeiten, die mir immer eine Freude bereiten. Meine Liebe zu den Schafen habe ich übrigens auch ihm und seinen vielen Zetteln im Deutschleistungskurs zu verdanken - er war unheimlich kreativ bei den unendlich vielen Papieren und setzte unter jedem ein anderes Schaf - das zwei Jahre hindurch (Anm.: damals gab's noch kein Internet, woraus er sich die verschiedenen Variationen hätte leicht "ziehen" können) - aber Dank der Schafe war es auch zu schade, die nun wirklich erschlagend große Zettelmenge als Schmierzettel zu verwenden. Danke Herr W. - nicht nur für den einprägenden, abwechslungsreichen Unterricht, sondern v.a. für Ihre jetzige Unterstützung.

Ihr seid mir unheimlich wichtig geworden!

Und so kämpft sich das schwarze Schaf weiter durchs Leben!


Die Geschichte von Windblume, dem schwarzem Schaf